Adobe übernimmt Topaz Labs: Was sich für Kreative ändert

Stefan Petri
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Lesezeit: 7 min
Bilder & Text mit Hilfe von KI erstellt
Adobe übernimmt Topaz Labs: Was sich für Kreative ändert

Adobe hat die Übernahme von Topaz Labs abgeschlossen. Das Unternehmen entwickelt KI-Modelle, die Bild- und Videomaterial verbessern sollen, etwa indem sie Details wiederherstellen, Unschärfen reduzieren und Bildfolgen konsistent halten. Für Kreative ist vor allem interessant, was sich dadurch an den eigenen Werkzeugen ändert – und was zunächst gleich bleibt.

Topaz Labs bleibt eine eigenständige Marke. Die Apps und Modelle des Unternehmens sollen weiterhin als separate Produkte verfügbar sein. Gleichzeitig will Adobe die Technologie stärker in eigene Produkte und Arbeitsabläufe einbinden. Einige Funktionen sind bereits in Adobe Firefly und Photoshop verfügbar; weitere Einsatzmöglichkeiten sollen in der Zukunft dazukommen. Konkrete Termine nennt Adobe dafür nicht.

Wofür Topaz Labs’ Technologie gedacht ist

Die Modelle von Topaz Labs zielen auf Situationen, in denen vorhandenes Material technisch verbessert werden muss, ohne dass es künstlich wirken soll. Dazu gehören Bilder mit wenig Licht, niedrig aufgelöste Aufnahmen oder Videoclips, bei denen Details und Klarheit fehlen. Auch Material, das für größere Displays oder professionelle Ausspielungen vorbereitet wird, kann von einer Vergrößerung und Aufbereitung profitieren.

Im Alltag könnte das etwa heißen: Du hast einen alten Foto-Scan, den du für einen großformatigen Druck verwenden möchtest. Oder du sollst Handyvideos in einen Schnitt integrieren, obwohl sie bei schwierigen Lichtverhältnissen aufgenommen wurden. Solche Fälle lassen sich mit Bild- und Video-Upscaling bearbeiten. Dabei werden Bild oder Video hochskaliert und visuelle Details verbessert. Das Ergebnis hängt weiterhin vom Ausgangsmaterial ab: Eine Bearbeitung kann vorhandene Informationen sinnvoll ergänzen, aber nicht jede fehlende Aufnahmeinformation zuverlässig rekonstruieren.

Adobe hebt außerdem die zeitliche Konsistenz bei Videos hervor. Das ist wichtig, weil ein einzelnes gutes Videobild noch keine überzeugende Videosequenz ergibt. Verbesserungen sollten von Bild zu Bild gleichmäßig wirken, statt dass Details flackern oder sich Texturen sichtbar verändern.

Was sich für deinen Workflow ändern kann

Topaz-Technologie ist laut Adobe bereits in Adobe Firefly und Photoshop verfügbar. Damit sollen Kreative Bilder und Videos vergrößern und verbessern können, während der natürliche Eindruck und die Details des Originals erhalten bleiben. Adobe beschreibt die Integration als Möglichkeit, weniger zwischen verschiedenen Werkzeugen wechseln zu müssen.

Für einen typischen Arbeitstag könnte das bedeuten, dass du ein Bild in Photoshop bearbeitest und eine passende Verbesserung direkt im gewohnten Umfeld ausführst, statt die Datei erst in eine separate Anwendung zu exportieren. Bei Videoprojekten geht es etwa um die Aufbereitung von Archivmaterial, schwach belichteten Aufnahmen oder kurzen Clips, die in einem größeren Film verwendet werden sollen. Welche Funktionen in welchem Produkt und Tarif verfügbar sind, hängt von der konkreten Umsetzung ab; die Ankündigung führt dazu keine vollständige Feature- oder Preisliste auf.

Wichtig ist deshalb, die Übernahme nicht mit einer sofortigen, vollständigen Zusammenlegung der Produkte gleichzusetzen. Adobe kündigt an, Topaz-Modelle in weitere bestehende Arbeitsabläufe zu bringen. Das ist eine Richtung, aber noch kein detaillierter Zeitplan für jede Anwendung.

Verarbeitung auf dem eigenen Gerät oder in der Cloud

Eine technische Besonderheit ist die proprietäre Neurostream-Technologie von Topaz Labs. Nach Angaben von Adobe ermöglicht sie es Profis, komplexe KI-Modelle entweder auf dem eigenen Gerät oder über die cloudbasierte Option von Topaz Labs zu verarbeiten. Das kann je nach Projekt, vorhandener Hardware und Arbeitsweise eine Rolle spielen.

Wenn du regelmäßig große Videodateien bearbeitest, ist die Wahl des Verarbeitungswegs praktisch relevant: Lokale Verarbeitung hält den Arbeitsschritt auf dem eigenen Gerät, während eine Cloud-Option einen anderen technischen Ablauf ermöglicht. Welche Variante für dich sinnvoll ist, hängt unter anderem davon ab, wie viel Material du bearbeitest und welche Vorgaben für deine Dateien gelten. Adobe nennt in der Mitteilung keine konkreten Anforderungen an Hardware, Übertragung oder Speicherplatz. Prüfe solche Details daher anhand der jeweiligen Produktinformationen, bevor du deinen Workflow umstellst.

Die Wahl des Werkzeugs ersetzt außerdem nicht die gestalterische Kontrolle. Gerade bei Haut, feinen Stoffstrukturen, Filmkorn oder schnellen Bewegungen lohnt sich ein Vergleich mit dem Original. Eine starke Verbesserung kann Details betonen, die im Motiv gar nicht so deutlich sichtbar sein sollten.

Auch für große Medienarchive relevant

Adobe richtet den Blick nicht nur auf einzelne Kreative. Unternehmen verfügen oft über umfangreiche Bestände, die für heutige hochauflösende Bildschirme angepasst werden sollen. Das betrifft zum Beispiel Filmarchive, ältere Spielaufnahmen bei Sendern oder Medienbestände von Marketingteams, die Inhalte für verschiedene Märkte vorbereiten.

Bei solchen Projekten ist die Menge der Dateien eine eigene Herausforderung. Manuelles Prüfen und Überarbeiten jedes einzelnen Assets kann viel Zeit beanspruchen. Adobe sieht in Topaz Labs’ Modellen eine Möglichkeit, ältere Inhalte in größerem Umfang zu modernisieren. Das heißt nicht automatisch, dass jede Datei ohne Kontrolle direkt wiederverwendbar ist: Teams müssen weiterhin Qualität, Rechte, Metadaten und den passenden Look prüfen.

Für Kreativabteilungen könnte eine engere Einbindung in bestehende Werkzeuge vor allem den Umgang mit wiederkehrenden Aufgaben vereinfachen. Wenn Material schneller für aktuelle Ausgabeformate vorbereitet werden kann, bleibt mehr Zeit für Auswahl, Schnitt, Farbgestaltung und inhaltliche Entscheidungen. Wie stark sich dieser Vorteil in der Praxis zeigt, wird von den später verfügbaren Funktionen und dem jeweiligen Archiv abhängen.

Topaz bleibt eigenständig – Adobe plant mehr Integration

Topaz Labs soll als Marke bestehen bleiben. Die Apps und Modelle bleiben laut Adobe auch weiterhin als eigenständige Produkte erhältlich. Für bestehende Kundinnen und Kunden ist das eine wichtige Information: Die Übernahme bedeutet nicht, dass die separaten Angebote unmittelbar verschwinden.

Auch beim Support stellt Adobe Kontinuität in Aussicht. Kundinnen und Kunden von Adobe und Topaz Labs sollen den gewohnten Support erhalten. Der CEO von Topaz Labs, Eric Yang, wechselt zu Adobes Team für Digital Video und Audio. Adobe will außerdem die Leistung der Topaz-Modelle optimieren und seine Reichweite sowie bestehende Unternehmenskontakte nutzen, um die Technologie bekannter zu machen.

Für deinen Einkauf oder eine laufende Produktion gibt es damit zunächst keinen Grund, allein wegen der Übernahme den gesamten Workflow umzustellen. Wenn du bereits mit Topaz-Apps arbeitest, kannst du deren eigenständige Verfügbarkeit weiter einplanen. Wenn du vor allem in Photoshop oder Firefly arbeitest, lohnt es sich, die dort verfügbaren Funktionen und spätere Integrationen im Blick zu behalten.

Was du jetzt im Blick behalten solltest

Die Übernahme verbindet spezialisierte Bild- und Videomodelle mit Adobes Kreativwerkzeugen. Der praktische Nutzen liegt vor allem dort, wo Material technisch aufbereitet werden muss: bei älteren Aufnahmen, schwierigen Lichtverhältnissen, kleinen Ausgangsdateien oder umfangreichen Archiven. Für Kreative kann eine engere Integration Wege zwischen Anwendungen verkürzen, sofern die benötigten Funktionen tatsächlich im eigenen Produkt verfügbar sind.

Adobe betont zugleich, dass menschliches Handwerk und erzählerische Entscheidungen zentral bleiben – unabhängig davon, ob Inhalte mit einer professionellen Kamera, einem Smartphone oder KI erstellt wurden. Für dich heißt das: Die neuen Möglichkeiten können technische Hürden senken, entscheiden aber nicht, welches Bild passt, wie eine Szene wirken soll oder welcher Schnitt eine Geschichte trägt.

Achte bei kommenden Produktankündigungen besonders auf konkrete Angaben zu verfügbaren Funktionen, unterstützten Dateitypen, Verarbeitungskosten und Systemanforderungen. Erst damit lässt sich beurteilen, ob eine Integration deinen Arbeitsalltag vereinfacht oder ob eine eigenständige Topaz-Anwendung weiterhin besser zu deinem Projekt passt.

Veröffentlicht am von Stefan Petri
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Von Stefan Petri
Stefan Petri betreibt zusammen mit seinem Bruder Matthias das beliebte Fachforum PSD-Tutorials.de sowie die E-Learning-Plattform TutKit.com, die in der Aus- und Fortbildung digitaler beruflicher Kompetenzen einen Schwerpunkt setzt. 

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